^Seitenbeginn
foto1 foto2 foto3 foto4 foto5

Eine Darmstädter Familie

Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Wolfkehls zu den mitgestaltenden Familien Darmstadts und sind heute z.T. noch ein Begriff in der Darmstädter Kulturgesellschaft. Was die meisten aber sicherlich nicht wissen, ist, dass sie mit der Freimaurerei verbunden waren. Otto Wolfskehl (Junior) war Freimaurer und ein Enkel des deutschen, jüdischen Bankiers und Politikers Otto Wolfskehl und damit ein Neffe von Karl Wolfskehl und Eduard Wolfskehl.

Karl Wolfskehl (1869-1948) zählte zu den prägenden Figuren der deutschen Kultur des frühen 20. Jhds. Er war ein enger Weggefährte von Stefan George und selbst brillanter Dichter und Publizist. Er musste als Jude 1933 fliehen und verstarb 1948 in seinem neuseeländischen Exil.

Das im Jahre 2013 eingeweihte Gästehaus der TU Darmstadt am Standort Lichtwiese erhielt am 16. Juni 2014 den Namen »Otto-Wolfskehl-Haus«. Der »Wolfskehlsche Garten« wurde nach seiner Familie benannt. Die Stadt Darmstadt ehrte am 7. November 2014 die Verdienste dieser Familie dort mit einer Gedenktafel.

Am 13. September 2019 erschien ein Zeitungsartikel im Darmstädter Echo (Seite 23) mit dem Titel »Schicksal einer Darmstädter Familie«. Er lud für den 17. September 2019 zur Lesung, zum Gespräch und zum 150. Geburtstag von Karl Wolfskehl ein. Der Abend wurde von Johannes Breckner moderiert. Der Schauspieler Mathias Znidarec, Mitglied des Staatstheaters, las aus Gedichten, Briefen und Aufsätzen von Karl Wolfskehl vor. Der Sammler Claus K. Netuschil sprach über ihn als den Lyriker und Bücherfreund. Die Literaturwissenschaftlerin Caroline Jessen hatte Ende 2018 über ihn ein Buch mit dem Titel »Der Sammler Karl Wolfskehl« herausgebracht und berichtete über ihre Recherchearbeiten.

An jenem Dienstagabend fanden Lesung und Gespräch im sogenannten Raum »806qm« statt. Sein Bruder Eduard Wolfskehl wurde Anfang Mai 1943 ohne Rechtsgrund verhaftet. Am 12. Juni 1943 verstarb er an den Folgen der erlittenen Behandlung im Arbeitserziehungslager in Heddernheim.

Es wurde des Weiteren das Buch »fort von hain und haus: Die Familie Wolfskehl und Darmstadt« vorgestellt, das Anfang 2019 erschienen ist. Der Freimaurer Otto Wolfskehl (Junior) erzählte oft in seiner Darmstädter Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert«, dass sein Großvater Otto Wolfskehl (Senior) die Herkunft aus dem jüdischen Geschlecht der Kalonymiden sah. In dem letztgenannten Buch hat Huth die Sicht von Karl Wolfskehl auf die mystische Verortung der Familie Wolfskehl mit den Kalonymiden sehr gelungen bearbeitet. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert waren die Kalonymiden eine der führenden jüdischen Familien im deutschen Rheingebiet, u.a. auch dem Zentrum kabbalistischer Bewegungen in Deutschland. Sie waren vor allem die bekanntesten Vertreter des deutschen Chassidismus. Dabei gibt es zwischen Chassidismus und Inhalten bestimmter freimaurerischer Systeme einige interessante Parallelen.