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Lichtfeier der Freimaurer

Darmstadt 10.12.2016 | Es gibt im freimaurerischen Kalender einige Feste, die es für Freimaurer zu feiern gilt. Es geht bei den meisten Festen und Feiern um Licht, Herzenswärme, Nächstenliebe und Erleuchtung.

Im Dezember begehen Freimaurer z.B. Lichtfeiern. Lichtfeiern sind wahrscheinlich erst wieder in der jüngeren Gegenwart Gegenstand brüderlichen Interesses geworden. Die Darmstädter Lichtfeier ist eine traditionelle Veranstaltung, die vor über 30 Jahren wiederbelebt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Feier, die es bereits seit der Stiftung der Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« 1921 unter dem ersten Logenmeister »Carl Happich« (1878-1947) gegeben haben soll. Bei der Entstehung der Lichtfeiern haben wahrscheinlich drei Gedanken mitgewirkt: Der Gedanke des mangelnden Lichts in der Natur, der Gedanke um das Ende eines Kalenderjahres und der Gedanke, den Lebenspartnern einen besonderen Platz in der Loge einzuräumen.

Zur finstersten Zeit des Jahres tritt ein astronomisches Ereignis auf, welches mit der freimaurerischen Tradition im Widerspruch zu stehen scheint. Es findet die Winter-Sonnenwende statt. Zur Winter-Sonnenwende erreicht die Sonne ihren jährlichen Tiefststand. Das Gegenstück zur Winter-Sonnenwende ist die Sommer-Sonnenwende. Sie findet im Juni statt. Neben dem Höchststand der Sonne feiern Freimaurer zu jener Zeit den Namenstag von Johannes dem Täufer (Schutzpatron der Freimaurerei) der zugleich Ende und Anfang eines neuen Maurerjahres einläutet. Die Jahre der Freimaurer gehen von Juni zu Juni. Sie entsprechen nicht dem üblichen Kalenderjahr. Das Ende eines alten Maurerjahres und der Beginn eines neuen Maurerjahres haben auch symbolische Bedeutung. Der Beginn des neuen Maurerjahres soll als Auftakt für neue Ideen, für neuen Elan und für neuen Schwung stehen. Man schließt mit etwas Altem ab und öffnet sich - ganz im freimaurerischen Sinne - dem Neuen.

 

»Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, der aus dem Leben überall da hervorbricht, wo die Ewigkeit die Zeit berührt.«

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

In modernen Zeiten entwickelte sich das Bedürfnis einen freimaurerischen Abschluss des Kalenderjahres zu begehen. Jenes Licht zu feiern, welches nach der Winter-Sonnenwende im Dezember immer mehr zunimmt. Ab diesem Tag wird das Licht nicht mehr weniger, sondern es mehrt sich tagtäglich bis zu seinem Höchststand zur Sommer-Sonnenwende. Der Beginn des neuen Kalenderjahres, welches mit einer Lichtfeier eingeläutet werden soll, kann für das private Leben ebenfalls einen Neuanfang, Versöhnung und sicherlich Besinnung bedeuten. Aus diesem Grunde sind Lebenspartner und Gäste zu den Lichtfeiern eingeladen.

Gerade in dieser Zeit, in der das äußere Licht immer weniger wird, sollen sich Freimaurer auf das innere Licht besinnen, das warm und angenehm den Raum erleuchten kann, den jeder selbst zu erleuchten vermag. Dieses innere Licht wird in manchen freimaurerischen Ausprägungen als »Seelenfunke« bezeichnet. Die Idee des Seelenfunken ist weitaus älter als die moderne Freimaurerei selbst. Ihn in jedem Freimaurer zum Wachsen zu bringen, ist eines der wichtigsten Anliegen der Freimaurerei.

Es ist wahrlich kein Zufall, dass die heiligen drei Könige einem leuchtenden Stern auf der Suche nach dem Messias folgten. Es ist wohl auch kein Zufall, dass Jesus, dessen Geburt im Dezember gefeiert wird, als das größte Licht auf Erden bezeichnet wird. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass Silvester mit künstlichem Licht und Feuerwerk willkommen geheißen wird. Im Volksmund heißt es, dass man mit dem Feuerwerk das alte Kalenderjahr vertreibt. Das Luciafest der Schweden und das jüdische Lichtfest Chanukka ereignen sich ebenfalls im Dezember. Es gibt auch das Bodhi-Fest im Buddhismus , welches an die Erleuchtung Buddhas erinnert und nach japanischer Tradition im Dezember begangen wird oder das indische Diwali-Lichterfest. Die Lichtfeiern der Freimaurer stehen damit auch in einer sehr alten multikulturellen Tradition.