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Geheimnisse hinter den Kartenbildern

Sonneberg 06.12.2017 | Über die Geheimnisse der Tarot forscht Giovanni Grippo. Während eines Gästeabends der Sonneberger Freimaurer in Sonneberg stellt er seine Erkenntnisse vor.

Foto: Zitzmann 

Giovanni Grippo stellt in der Galerie Notwehr die Geheimnisse des Tarot vor.

»Auf die Frage, was Freimaurerei ist, wird es immer unterschiedliche Antworten geben«, sagt Alfred Freitag, der Vorsitzende der Sonneberger Freimaurerloge. Das ähnelt auch etwas dem Tarot, von dessen Bildmotiven Publizist Giovanni Grippo sagt: »Jeder sieht etwas anderes, aber es ist das gleiche Bild.« Damit war die Schnittmenge zwischen beiden während des jüngsten Gästeabends der Sonneberger Loge in der Galerie Notwehr schon einmal definiert. Immerhin gibt es in der Freimaurerei ebenfalls ein System, auf das sich Interessierte in mehreren Schritten, man könnte auch Grade sagen, einlässt. Und Schritt für Schritt, eröffne sich das Ganze, verriet Freitag.

Der 39-jährige Grippo steht einer Freimaurerloge in Darmstadt vor und hat die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Systemen entdeckt. Zum Tarot kam er, nachdem er sich mit jüdischer Mystik und der Kabbala beschäftigte. Deren Hintergrund, die persönliche Beziehung zum göttlichen, hat ihn in ihren Bann gezogen. Dies führte ihn schließlich auch zur Freimaurerei. Unabhängig davon korrespondierte er mit Rabbinern aus Stuttgart, Tel Aviv und Rio de Janeiro über die jüdische Mystik. Dadurch konnte er sein Interesse und Wissen erweitern. Der Publizist und Autodidakt drang dabei immer weiter in die Geheimlehren vor.

Und das Tarot? 78 Spielkarten, eingeteilt in die großen Arkana, die 22 Trümpfe von 0 bis 21, und die kleinen Arkana, die 56 Farbkarten umfassen. Arkanum, das steht für Geheimnis, und geheimnisvoll erscheinen auch außenstehenden Betrachtern so manche der Bilder. Es gibt einen Narren, einen Wagen, eine Hohepriesterin, einen Eremiten und andere Motive. Über die islamische Welt gelangte das Tarot nach Italien, wo es sich seit dem 15. Jahrhundert auch belegen lasse, erläuterte Grippo. Seither haben die Karten eine erstaunliche Evolution hingelegt - vom Gesellschaftsspiel zur Weltdeutung.

Die Hohepriesterin trägt die Krone der ägyptischen Göttin Isis, mit dem Kreuz auf der Brust könnte sie auch eine christliche Madonna sein, die Mondsichel würde in die islamische Welt weisen und die Tora-Rolle schlägt den Bogen zum Judentum. »Vier Religionen in einem Bild«, betonte Grippo. Jeder konnte sich selbst mit seinen Glaubensvorstellungen dort wiederfinden. Und am Anfang der abendländischen Karriere des Tarot sei dies auch ganz praktisch gewesen. In einer Zeit, in der die Inquisition in Italien ihr Unwesen trieb konnte man mit den Karten genüsslich Gesellschaftskritik üben und im Falle eines Denunzianten sich immer aufs harmlose Gesellschaftsspiel herausreden. 

Quelle: Freies Wort